Was ist Red Teaming?

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Beim Red Teaming, auch bekannt als Red Cell, Angreifersimulation oder Cyber Red Team, werden die Taktiken, Techniken und Vorgehensweisen (TTPs) realer Cyberangreifer simuliert. Ziel ist es, die Resilienz der Sicherheitsmaßnahmen eines Unternehmens zu testen, ohne dabei der Zielumgebung tatsächlich Schaden zuzufügen

Bedeutung von Red Teaming

In der Welt der Cybersicherheit bezeichnet der Begriff „Red Teaming“ eine Methode des ethischen Hackings, die zielorientiert und auf bestimmte Vorgaben ausgerichtet ist. Dies wird mit verschiedenen Techniken erreicht, wie Social Engineering, physischen Sicherheitstests und ethischem Hacking. Dabei werden die Handlungen und Verhaltensweisen eines echten Angreifers nachgestellt, der mehrere unterschiedliche TTPs kombiniert, die auf den ersten Blick nicht miteinander in Verbindung zu stehen scheinen, es dem Angreifer jedoch ermöglichen, seine Ziele zu erreichen.

Das Ziel von Red-Teaming-Übungen besteht darin, Unternehmen wertvolle Erkenntnisse über ihre Cybersicherheitsmaßnahmen zu liefern. Dabei geht es darum, Lücken und Schwachstellen aufzudecken, die behoben werden müssen. Durch Nachahmung realer Angreifer versetzt Red Teaming Unternehmen in die Lage, besser zu verstehen, wie ihre Systeme und Netzwerke ausgenutzt werden können. Das gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Abwehrmaßnahmen zu stärken, bevor ein echter Angriff stattfindet.

Geschichte des Red Teaming

Das Konzept des Red Teaming hat seinen Ursprung in der Militärstrategie. Früher simulierten Armeen Schlachten, indem ein Team (das „rote Team“) die Rolle des Feindes übernahm. Auf diese Weise konnten die trainierten Truppen (die in der Regel vom „blauen Team“ dargestellt wurden) auf einen realistischen Gegner treffen. Dank dieser Vorgehensweise konnten Militärstrategen verschiedene Szenarien und Taktiken aus der Perspektive des Gegners durchspielen. 

Der Einsatz von Red-Team-Ansätzen in der Cybersicherheit gewann Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre zunehmend an Bedeutung, als Unternehmen den Wert proaktiver Sicherheitsbewertungen erkannten. Anfangs wurden diese Verfahren vor allem von staatlichen und militärischen Organisationen zum Schutz der nationalen Sicherheit und kritischer Infrastruktur eingeführt. Mit der Zeit, als sich Cyberbedrohungen weiterentwickelten und immer raffinierter wurden, begann auch die Privatwirtschaft, Red-Team-Übungen als Teil ihrer Sicherheitsprotokolle durchzuführen.

Red Teams: Entwicklung und Rolle in der Cybersicherheit

Im Bereich Cybersicherheit hat sich die Red Teaming von einfachen Penetrationstests  zu umfassenden Programmen weiterentwickelt, die eine Vielzahl von Angriffssimulationen, Social Engineering, Bewertungen der physischen Sicherheit und vieles mehr umfassen. Red Teams nutzen häufig Tools und Techniken, die auf dem neuesten Stand der Technik sind, um potenzielle Angriffe so realistisch wie möglich zu simulieren.

Red Teams sind besonders wertvoll in Branchen, die stark reguliert sind oder erhebliche Sicherheitsanforderungen haben (wie Finanzen, Gesundheitswesen und kritische Infrastruktur). Unternehmen können damit nicht nur potenzielle Schwachstellen aufspüren, sondern auch die praktischen Auswirkungen erkennen, die eine Ausnutzung dieser Schwachstellen mit sich bringt. Das trägt wiederum dazu bei, dass Unternehmen der Eindämmung potenziell ausnutzbarer Risiken Priorität einräumen.

Das Feedback und die Erkenntnisse der Red Teams fließen in die Optimierung von Sicherheitsrichtlinien, die Absicherung von Systemen und die Schulung des Personals ein. All dies dient dazu, sich besser gegen tatsächliche Cyberbedrohungen zu wappnen. Dieser iterative Prozess aus Tests und Verbesserungen spielt eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, die Resilienz eines Unternehmens gegenüber den wachsenden Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit aufrechtzuerhalten.

Durch die Kombination ihres Fachwissens mit fortschrittlichen Tools wie Metasploit, Bloodhound, Sliver und Havoc können Red Teams komplexe Angriffe simulieren, die denen von raffinierten Angreifern nachempfunden sind. Diese Open-Source-Tools werden von Unternehmen entwickelt, die auch professionelle Red-Team-Dienstleistungen anbieten. Dadurch entsteht eine einzigartige Synergie zwischen beiden Bereichen. 

So wird beispielsweise Metasploit von Rapid7 als Kernkomponente bei Penetrationstests eingesetzt. Bloodhound von BSquare hingegen ist für den Einsatz im Rahmen der Red-Teaming-Dienstleistungen des Unternehmens konzipiert.

Durch die Kombination von Open-Source-Tools und erfahrenen Red-Team-Gruppen können Unternehmen wertvolle Einblicke in ihre Sicherheitslage gewinnen und aktuellen Bedrohungen immer einen Schritt voraus sein.

Vorteile von Red Teaming

Red Teaming ist ein wertvolles Instrument für Unternehmen jeder Größe, doch ist es besonders wichtig für größere Unternehmen mit komplexen Netzwerken und sensiblen Daten. Der Einsatz eines Red Teams bietet mehrere wesentliche Vorteile.

Objektive und unvoreingenommene Bewertung

Ein Red Team kann eine objektive und unvoreingenommene Perspektive auf einen Geschäftsplan oder eine Entscheidung bieten. Da die Mitglieder des Red Teams nicht direkt in den Planungsprozess eingebunden sind, können sie eher Schwachstellen und Mängel aufdecken, die von denjenigen, die stärker am Ergebnis interessiert sind, möglicherweise übersehen wurden.

Ermittlung von Risiken und Schwachstellen

Ein Red Team kann dabei helfen, potenzielle Risiken und Schwachstellen aufzudecken, die auf den ersten Blick vielleicht nicht erkennbar sind. Dies ist besonders wichtig in komplexen Situationen oder Situationen mit hohem Einsatz, in denen die Folgen eines Fehlers oder einer Versehens schwerwiegend sein können. Durch den Einsatz eines Red Teams können Unternehmen potenzielle Risiken erkennen und beheben, bevor sie zu einem Problem werden.

Förderung von kritischem Denken und Innovation

Ein Red Team kann dazu beitragen, eine konstruktive Debatte und Diskussion innerhalb des Hauptteams anzuregen. Die Einwände und Kritikpunkte des Red Teams können dazu beitragen, neue Ideen und Perspektiven anzuregen. Daraus können kreativere und effektivere Lösungen, kritisches Denken und kontinuierliche Verbesserungen innerhalb eines Unternehmens resultieren. Indem das Red Team Pläne und Entscheidungen regelmäßig hinterfragt, kann es eine Kultur fördern, in der es selbstverständlich wird, Dinge infrage zu stellen. Das führt zu besseren Ergebnissen und effektiveren Entscheidungsprozessen.

Stärkung der organisatorischen Resilienz

Darüber hinaus kann ein Red Team Unternehmen dabei helfen, ihre Resilienz und Anpassungsfähigkeit zu stärken, indem es sie mit unterschiedlichen Sichtweisen und Szenarien konfrontiert. Dadurch können sich Unternehmen besser auf unerwartete Ereignisse und Herausforderungen vorbereiten und effektiver auf Veränderungen im Umfeld reagieren. Durch regelmäßige Red-Team-Übungen können Unternehmen potenzielle Angreifer auf Distanz halten und das Risiko kostspieliger Verletzungen der Cybersicherheit verringern.

Red Teaming ist jedoch nicht ohne Herausforderungen. Red-Teaming-Übungen können zeitaufwendig und kostspielig sein und erfordern spezielles Fachwissen und Know-how. Zudem kann Red Teaming mitunter als störende oder konfrontative Maßnahme wahrgenommen werden. Dies kann zu Widerstand oder Gegenwehr innerhalb des Unternehmens führen.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, muss das Unternehmen sicherstellen, dass es über die erforderlichen Ressourcen und die notwendige Unterstützung verfügt. Es legt klare Ziele für seine Red-Teaming-Aktivitäten fest, um die Übungen effektiv durchführen zu können. Alle Beteiligten müssen den Nutzen und die Vorteile von Red-Teaming kennen, und muss sichergestellt sein, dass die Red-Teaming-Aktivitäten auf kontrollierte und ethisch einwandfreie Weise durchgeführt werden.

Arten von Red-Team-Einsätzen

Externes Red Teaming

Bei dieser Art von Red-Team-Einsatz wird ein Angriff von außerhalb des Unternehmens simuliert, beispielsweise durch einen Hacker oder eine andere externe Bedrohung. Das Ziel von externen Red-Teaming-Maßnahmen besteht darin, zu testen, inwieweit sich das Unternehmen gegen externe Angriffe verteidigen kann. Außerdem sollen Schwachstellen ausfindig gemacht werden, die von Angreifern ausgenutzt werden könnten.

Internes Red Teaming (vermuteter Verstoß)

Bei dieser Art von Red-Team-Einsatz wird angenommen, dass die Systeme und Netzwerke bereits von Angreifern kompromittiert wurden. Dies kann beispielsweise durch eine Insider-Bedrohung geschehen sein oder durch einen Angreifer, der sich unter Verwendung der Anmeldedaten einer anderen Person unbefugten Zugang zu einem System oder Netzwerk verschafft hat. Diese Daten könnte er durch eine Phishing-Attacke oder auf andere Weise erbeutet haben. Das Ziel des internen Red-Teamings besteht darin, zu testen, inwieweit das Unternehmen in der Lage ist, sich gegen diese Bedrohungen zu verteidigen, und mögliche Schwachstellen aufzudecken, die ein Angreifer ausnutzen könnte.

Physisches Red Teaming

Bei dieser Art von Red-Team-Einsatz wird ein Angriff auf die physischen Anlagen des Unternehmens simuliert, etwa auf Gebäude, Ausrüstung und Infrastruktur. Das Ziel von physischen Red-Team-Tests besteht darin, zu prüfen, inwieweit die Organisation in der Lage ist, sich gegen physische Bedrohungen zu verteidigen. Außerdem sollen Schwachstellen aufgedeckt werden, die Angreifer ausnutzen könnten, um sich Zugang zu verschaffen.

Hybrides Red Teaming

Diese Art von Red-Team-Einsatz vereint Elemente der verschiedenen oben genannten Red-Team-Ansätze und simuliert einen vielschichtigen Angriff auf das Unternehmen. Ziel des hybriden Red-Team-Einsatzes ist es, die allgemeine Resilienz des Unternehmens gegenüber einer Vielzahl potenzieller Bedrohungen zu testen.

Blue Teaming

Bei dieser Art von Teams handelt es sich um interne Cybersicherheitsteams, deren Aufgabe es ist, die Systeme und sensiblen Daten eines Unternehmens vor Bedrohungen zu schützen – einschließlich simulierter Angriffe durch Red Teams.

Sie spielen eine aktive Rolle bei der Stärkung der Sicherheitslage durch kontinuierliche Überwachung, Erkennung von Bedrohungen und Incident Response. Zu ihren täglichen Aufgaben gehören in der Regel die Überwachung der Systeme auf Anzeichen von unbefugtem Zugriff und die Untersuchung verdächtiger Aktivitäten. Sicherheitsvorfälle werden umgehend behandelt, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

Purple Teaming

Bei dieser Art handelt es sich um ein Team aus Cybersicherheitsfachleuten des Blue Teams (in der Regel SOC-Analysten oder Sicherheitskräfte, die das Unternehmen schützen sollen) und des Red Teams. Sie arbeiten gemeinsam daran, Unternehmen vor Cyberbedrohungen zu schützen. Das Team nutzt eine Kombination aus technischem Fachwissen, analytischen Fähigkeiten und innovativen Strategien, um potenzielle Schwachstellen in Netzwerken und Systemen zu identifizieren und einzudämmen.

Die Aufgabe des Red Teams besteht darin, das Blue Team zu verbessern; dies kann jedoch scheitern, wenn es keine kontinuierliche Interaktion zwischen beiden Teams gibt. Damit das Blue Team seine Ziele priorisieren kann, müssen Informationen, Verwaltungsaufgaben und Kennzahlen ausgetauscht. Wenn die Blue Teams in den Prozess einbezogen werden, kann das Unternehmen die Vorgehensweise der Angreifer besser nachvollziehen – und dadurch vorhandene Lösungen effektiver einsetzen, um Bedrohungen zu erkennen und abzuwehren. Entsprechend kann das Red Team mit dem Wissen um die Abwehrmaßnahmen und die Denkweise kreativer vorgehen und spezifische Schwachstellen aufdecken, die nur in diesem Unternehmen vorkommen.

Jedes der oben genannten Engagements bietet Unternehmen die Möglichkeit, Schwachstellen zu identifizieren, über die Angreifer erfolgreich in die Umgebung eindringen könnten.

Purple Teaming bietet das Beste aus offensiven und defensiven Strategien. Es kann ein wirksames Mittel sein, den Umgang mit Cybersicherheit und die entsprechende Kultur in einem Unternehmen zu verbessern, da es sowohl dem Red Team als auch dem Blue Team ermöglicht, zusammenzuarbeiten und Wissen auszutauschen. Wenn beide Teams die Vorgehensweise der Angreifer und die Denkweise der Verteidiger verstehen, können sie ihre jeweiligen Aufgaben effektiver erfüllen. Purple Teaming ermöglicht zudem einen effizienten Informationsaustausch zwischen den Teams. Dadurch kann das Blue Team seine Ziele besser priorisieren und seine Fähigkeiten verbessern.

Red Teaming

Bedeutung von Red Teaming für die Sicherheit

Red Teaming ist ein praxisorientiertes Schulungskonzept, bei dem IT- und Sicherheitsfachleute reale Fähigkeiten im Umgang mit tatsächlichen Bedrohungen erwerben können. Die Übung verbessert ihre technischen Fähigkeiten, ihr Selbstvertrauen und ihre Fähigkeit, reale Bedrohungen zu bewältigen. Unternehmen können damit ihre Verfahren zur Incident Response (IR) und zur Wiederherstellung in einer Live-Umgebung testen.

Zur Bewertung kann geprüft werden, wie gut das IR-Team zusammenarbeitet, wie schnell es betroffene Systeme isolieren kann und wie effektiv es während eines Angriffs den Normalzustand wiederherstellt. Mit den Erkenntnissen aus diesen Übungen lassen sich Wiederherstellungstechniken verbessern, die Kommunikation optimieren und die Auswirkungen eines tatsächlichen Cyberangriffs begrenzen. Diese Übungen sind entscheidende Faktoren für die Verankerung einer Sicherheitskultur im gesamten Unternehmen. Ein solches Modell vermittelt IT-Teams die notwendigen Abwehrfähigkeiten, klärt Endnutzer, das Management und die Führungsetage über Sicherheitslücken auf und setzt sich für einen mehrschichtigen Sicherheitsansatz ein.

Darüber hinaus können die Berichte aus diesen Übungen für Auditverfahren verwendet werden und den Auditoren zeigen, dass proaktive Sicherheitskontrollen vorhanden sind. Sie dienen somit als Nachweis dafür, dass ein Unternehmen über eine angemessene Sicherheitsstrategie verfügt und die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Angesichts der zunehmenden digitalen Bedrohungen müssen Unternehmen bei ihren Maßnahmen zur Cybersicherheit proaktiv vorgehen. Ihre Teams müssen mit den Fähigkeiten, dem Wissen und der praktischen Erfahrung ausgestattet werden, die sie brauchen, um reale Bedrohungen abwehren zu können.

Hilfeangebote zu Red Teaming

Mit einer zentralen Plattform können Sie Angreifer schneller stoppen und Ihre Cyberrisiken besser im Griff behalten. Managen Sie Ihre Sicherheit ganzheitlich mit umfassenden Funktionen für Prävention, Erkennung und Reaktion, die auf KI, führender Bedrohungsforschung und Threat Intelligence basieren.

Trend Vision One™ unterstützt vielfältige Hybrid-IT-Umgebungen, automatisiert und koordiniert Arbeitsabläufe und bietet professionelle Cybersicherheitsdienste – damit Sie Ihre Security-Operations-Prozesse vereinfachen und zusammenführen können.

Jon Clay – Porträtfoto

Vice President of Product Management

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Jon Clay arbeitet seit über 29 Jahren im Bereich Cybersicherheit. Er nutzt seine Branchenerfahrung, um Wissen zu vermitteln und Einblicke in alle extern veröffentlichten Bedrohungsanalysen und -informationen von Trend Micro zu geben.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

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Was ist Red Teaming?

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Red Teaming simuliert echte Angreifer, um Sicherheitslücken aufzudecken, Verteidigungen zu testen und Organisationen besser gegen reale Cyberbedrohungen vorzubereiten.

Ist das Red Team offensiv oder defensiv?

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Das Red Team handelt offensiv, führt simulierte Angriffe aus, deckt Schwachstellen auf und stärkt dadurch die gesamte Cybersicherheitslage einer Organisation nachhaltig.

Was ist Red Teaming in der KI?

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KI‑Red‑Teaming testet Modelle gezielt auf Schwächen, unsichere Ausgaben oder Fehlverhalten, um Sicherheit, Verantwortung und robuste Systemleistung sicherzustellen.

Was ist die Red‑Teaming‑Strategie?

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Red‑Teaming‑Strategie nutzt realistische Angriffstaktiken, um Schwachstellen zu identifizieren, Verteidigungen zu validieren und organisatorische Bereitschaft gegen Bedrohungen zu verbessern.

Was ist ein reales Beispiel für Red Teaming?

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Ein Beispiel ist, wenn Sicherheitsteams Unternehmen durch Phishing, kompromittierte Zugangsdaten oder Fehlkonfigurationen kontrolliert angreifen, um echte Risiken aufzuzeigen.