Die Cyberrisiko-Bewertung (Cyber Risk Scoring) ist eine Methode zur Quantifizierung von Cybersicherheitsrisiken. Ziel ist es, dass Unternehmen objektive, empirisch fundierte Entscheidungen darüber treffen können, wie sie ihre Angriffsfläche verteidigen und verkleinern können.
Inhalt
Die Cyberrisiko-Bewertung (Cyber Risk Scoring) ist ein wichtiger Bestandteil jedes Frameworks für Cyberrisiko-Management. Sie ermöglicht ein gemeinsames und objektives Grundverständnis der relativen Risiken, die mit IT-Assets und digitalen Technologien verbunden sind. So lassen sich praktische Entscheidungen darüber treffen, welche Risiken mit höchster Priorität angegangen werden müssen.
Durch die kontinuierliche Erfassung von Cyberrisiko-Werten (Cyber Risk Scores) können Unternehmen ihre allgemeine Cybersicherheitsbereitschaft und die Stärke ihrer Sicherheitsmaßnahmen benchmarken und überwachen.
Die Cyberrisiko-Bewertung gilt für die gesamte Angriffsfläche, einschließlich interner und externer IT-Assets, Daten, Systeme und Ressourcen.
Ähnlich wie die Cyberrisiko-Quantifizierung (CRQ) steht die Cyber-Risikobewertung in engem Zusammenhang mit den ersten beiden Phasen des Angriffsflächenmanagements: Entdeckung und Bewertung.
Konkret handelt es sich um einen zweistufigen Prozess der Risikoprofilierung, bei dem zunächst die relevanten Risiken und die zu ihrer Bewältigung erforderlichen Kontrollen ermittelt werden. Anschließend werden jedem Risiko anhand seiner relativen Dringlichkeit und potenziellen Tragweite Punkte zugewiesen.
Das National Institute of Standards and Technology definiert Cyberrisiken als beides (oder eines davon):
Beide Definitionen beziehen sich auf die Anforderung an Unternehmen, ein proaktives Framework für das Cyberrisiko-Management einzuführen und umzusetzen.
Als Bestandteil des Cyber Risk Exposure Managements liefert die Cyberrisiko-Bewertung (Cyber Risk Scoring) messbare, objektive Klarheit darüber, welche Risiken die größte Bedrohung für ein Unternehmen darstellen. Dies hilft bei der Entscheidung über Maßnahmen und Investitionen im Bereich Cybersicherheit.
Wie die Cyberrisiko-Qualifizierung (CRQ) bietet auch die Cyberrisiko-Bewertung eine Möglichkeit, über Risiken zu sprechen, die sowohl für Sicherheitsexperten als auch für Führungskräfte verständlich ist. Auf diese Weise ist sie eine wichtige Unterstützung für die Überwachung und Berichterstattung der Umwelt-, Sozial- und Governance-Leistungen (ESG) und/oder der sozialen Verantwortung von Unternehmen (CSR).
Cyberrisiko-Werte (Cyber Risk Scores) werden zunehmend als Faktor für die Entscheidung herangezogen, ob sich ein Unternehmen für eine Cyberversicherung qualifiziert. Sie können auch zur Bewertung potenzieller Fusionen und Übernahmen verwendet werden, außerdem im Sicherheitsmanagement der Lieferkette und in anderen Bereichen des Geschäftsbetriebs.
Cyber Risk Quantifizierung
Cyber Risk Bewertung
Quantitativ
Qualitativ
Detaillierte finanzielle Einblicke
Schnelle Bewertungen
Unterstützt fundierte, risikobasierte Entscheidungen
Identifiziert Hochrisikobereiche
Cyberrisiko-Bewertung und CRQ erfüllen ähnliche Funktionen – vereinfacht ausgedrückt ist die eine qualitativ und die andere quantitativ. Beide beschreiben Cybersicherheitsrisiken in objektiven, empirischen Begriffen, um strategische Entscheidungen zu unterstützen.
Bei der Cyberrisiko-Bewertung wird jedem Risiko eine numerische Punktzahl zugewiesen und daraus eine Gesamtbewertung des Cyberrisikos für das Unternehmen ermittelt. Die Cyberrisko-Qualifizierung berechnet den potenziellen finanziellen Schaden von Cybervorfällen – also die Kosten, die einem Unternehmen durch eine Sicherheitsverletzung, einen Hackerangriff oder Datendiebstahl entstehen könnten. Diese Kosten können finanzielle Verluste (Einnahmen, Ausfallzeiten, Bußgelder, Rechtsstreitigkeiten), Wettbewerbsnachteile (z. B. Marktanteile), Reputationsschäden, Kundenabwanderung und sonstige Schäden umfassen.
Bei der Cyberrisiko-Qualifizierung (CRQ) wird die Wahrscheinlichkeit in Form eines Werts berechnet, der häufig als Prozentsatz ausgedrückt wird. Beispielsweise besteht bei E-Mails des CEO eines Finanzdienstleisters eine Wahrscheinlichkeit von 85 %, dass es sich um einen BEC-Angriff handelt. Geht die E-Mail an den Cafeteria-Manager desselben Unternehmens, liegt dieser Wert dagegen bei 12 %. Diese Wahrscheinlichkeit wird statistisch anhand von modellbasierten Simulationen bestimmt, etwa Monte Carlo-Simulationen. Sie wird normalerweise für einen bestimmten Zeitraum berechnet, zum Beispiel für ein Geschäftsquartal oder ein Kalenderjahr.
Sowohl die Cyberrisiko-Bewertung als auch die -Qualifizierung unterstützen ein gutes Cyber Risk Exposure Management. Sie umfassen ähnliche Schritte zur Erkennung und Bewertung, um Risiken zu identifizieren, zu bewerten und zu priorisieren.
Wie bereits erwähnt, besteht die Cyberrisiko-Bewertung im Wesentlichen aus zwei Teilen:
Der Profilierungsschritt basiert auf einem gründlichen Erkennungs- und Bewertungsprozess, der die gesamte Angriffsfläche des Unternehmens definiert und Risiken und Schwachstellen auf dieser Fläche identifiziert. Auf Grundlage dieser Festlegungen kann ein Unternehmen entscheiden, welche Kontrollen implementiert werden müssen.
Im Rahmen der Bewertung werden das potenzielle Risiko und der potenzielle Schaden für jede identifizierte Schwachstelle eingeschätzt. Einbezogen werden dabei die Wahrscheinlichkeit, dass die Schwachstelle ausgenutzt wird, das Ausmaß und die Reichweite der Auswirkungen, die Schwierigkeit, einen erfolgreichen Angriff zu beheben, und vieles mehr.
Cyberrisiko-Werte sollten auch globale Threat Intelligence – proprietär oder Open Source – und öffentliche Sicherheitsbewertungen berücksichtigen. Dazu gehören auch Informationen darüber, inwieweit sich böswillige Akteure bestimmter Schwachstellen bewusst sind, wie leicht diese ausgenutzt werden können, wie häufig sie ausgenutzt werden und andere relevante Datenpunkte.
Die einzelnen Cyberrisiko-Werte werden anschließend zusammengerechnet. Ziel ist es, einen Gesamtwert für das Cyberrisiko des Unternehmen zu erhalten.
Angriffsflächenmanagement (Attack Surface Management, ASM) ist ein Ansatz zur Cybersicherheit. Es unterstützt Unternehmen dabei, ihre Daten und Systeme besser zu schützen, indem Bedrohungen besser sichtbar gemacht werden. Es geht darum, zu erkennen, wo Risiken bestehen, deren relative Tragweite zu verstehen und Maßnahmen zu ergreifen, um Sicherheitslücken in Bezug auf Personen, Prozesse und Technologien zu schließen.
Die Cyberrisiko-Bewertung ist eng mit den ersten beiden Phasen von ASM verbunden: der Erkennung und der Bewertung.
Der ASM-Erkennungsprozess macht alle potenziellen Cyberrisiken für ein Unternehmen sichtbar. Dieser Kontext ist für eine genaue und vollständige Cyberrisiko-Bewertung unerlässlich, da er ein umfassendes Bild der Angriffsfläche des Unternehmens vermittelt.
Die Cyberrisiko-Bewertung trägt zur ASM-Bewertungsphase bei. Sie zeigt auf empirischer und objektiver Basis auf, welche Risiken und Schwachstellen am kritischsten sind und welche zu einem späteren Zeitpunkt angegangen werden können.
Die Cyberrisiko-Bewertung ist ein kontinuierlicher Prozess. Da die Werte (Scores) regelmäßig aktualisiert werden, können Cybersicherheitsteams und Führungskräfte erkennen, wie sich die allgemeine Risikolandschaft verändert: Welche Risiken gewinnen an Bedeutung und müssen dringend angegangen werden, und welche lassen sich erfolgreich eindämmen?
Es gibt zahlreiche Frameworks und Methoden für die Cyberrisiko-Bewertung. Am einfachsten ist es, die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs einzuschätzen, ihr einen Wert zuzuweisen und diesen mit der potenziellen Schwere des Angriffs zu multiplizieren, um einen numerischen Risikowert zu erhalten.
NIST bietet eine Lösung für die Cyberrisiko-Bewertung, die allen Komponenten eines Systems Sicherheitskategorien zuordnet und für jede Komponente eine Sicherheitskontrollbasis festlegt: niedrig, mittel oder hoch. Jeder Kontrollmaßnahme wird eine Gewichtung zwischen 1 und 10 zugewiesen. Diese richtet sich nach ihrer relativen Bedeutung für die allgemeine Sicherheits- und Datenschutzlage des Unternehmens.
Im NIST-Framework hilft die Risikoprofilierung dabei, den erforderlichen Umfang der notwendigen Kontrollen zu bestimmen. Faktoren wie Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit (abgekürzt: CIA) werden auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet und entsprechend der Kritikalität der zugehörigen Daten/Informationen auf die verschiedenen Kontrollen angewendet.
Historische Informationen über vergangene Verstöße, bekannte Ereignisse, die sich auf die Branche / den Sektor des Unternehmens auswirken, und andere kontextbezogene Inhalte werden ebenfalls berücksichtigt. Ziel ist es, eine Vorhersage zu erstellen, die das potenzielle Risiko zukünftiger Vorfälle genau angibt.
Weitere Methoden zur Berechnung von Cyberrisiko-Werten (Cyber Risk Scores) sind folgende:
Ein weiterer Beitrag zur Risikobewertung ist das Common Vulnerability Scoring System (CVSS). CVSS bietet zwar keine vollständige Risikobewertung, aber eine nützliche Methode zur Einstufung der potenziellen Tragweite von in Software identifizierten Schwachstellen. Diese Ranglisten können dann als Teil der Berechnungsformel für die Gesamtrisiko-Bewertung verwendet werden.
Trend Micro hat gemeinsam mit dem Ponemon Institute den Cyber Risk Index (CRI) entwickelt, um Unternehmen dabei zu helfen, ihr Risikoniveau zu bestimmen und mögliche Lücken in ihrer Cybersicherheit zu identifizieren. Der CRI weist Unternehmen auf der Grundlage einer umfassenden Bewertung von Risikokategorien und -faktoren einen Risikowert zu. Der Index berücksichtigt Risikoereignisse, die sich auf eine Vielzahl von Ressourcen auswirken. Dazu gehören Benutzer, Geräte, Anwendungen, mit dem Internet verbundene Domains und IP-Adressen sowie Cloud-basierte Ressourcen.
Die CRI-Bewertung stützt sich auf vernetzte Datenquellen, um zu beurteilen, wie sich Risikofaktoren auf die spezifische Umgebung eines Unternehmens auswirken. Je mehr Datenquellen einbezogen werden können, desto vollständiger und umfassender ist das CRI-Ergebnis.
Der CRI wird alle vier Stunden automatisch aktualisiert. Dabei werden Änderungen am Status von Risikoereignissen innerhalb einer Stunde berücksichtigt. Unternehmen können ihren CRI manuell neu berechnen, indem sie auf die Schaltfläche „Neu berechnen“ klicken. Verwenden Sie den CRI-Rechner, um den Risikowert Ihrer Organisation zu bestimmen.
Trend Vision One™ bietet eine Lösung für Cyber Risk and Exposure Management (CREM), mit der Unternehmen Risiken proaktiv aufdecken, bewerten und eindämmen können, um ihre Cyberrisiken zu reduzieren. CREM verfolgt einen revolutionären Ansatz, der wichtige Funktionen in einer leistungsstarken, benutzerfreundlichen Lösung vereint. Dazu gehören External Attack Surface Management (EASM), Cyber Asset Attack Surface Management (CAASM), Schwachstellenmanagement und Security Posture Management für Cloud, Daten, Identitäten, APIs, KI, Compliance und SaaS-Anwendungen. Dabei geht es nicht nur um das Management von Bedrohungen, sondern um den Aufbau echter Resilienz gegenüber Risiken.
Erfahren Sie mehr darüber, wie Sie mit Cyber Risk Exposure Management echte Risikoresilienz aufbauen können.
Cyber-Risk-Scoring bewertet die Sicherheitslage eines Unternehmens anhand von Schwachstellen, Bedrohungen, Kontrollen und Wahrscheinlichkeiten, um eine numerische Risikobewertung zu erzeugen.
Cyber-Risk-Scoring liefert qualitative Bewertungen, während Cyber-Risk-Quantification finanzielle Modelle nutzt, um potenzielle monetäre Auswirkungen von Sicherheitsvorfällen zu berechnen.
Cyber-Risk-Scoring aggregiert Telemetrie, Schwachstellen, Bedrohungsdaten, Konfigurationen und Verhaltensanalysen, um objektive Sicherheitsbewertungen des unternehmerischen Risikos zu erstellen.
Cyber-Risikoscores basieren auf gewichteten Faktoren wie Schwachstellen, Patchreife, Bedrohungswahrscheinlichkeit, Asset-Kritikalität, Fehlkonfigurationen und Wirksamkeit der Sicherheitskontrollen.
Cyber-Risikoscores werden kontinuierlich oder regelmäßig aktualisiert, abhängig von Telemetrie, Bedrohungslage, Schwachstellenscans, Kontrollleistung und Überwachungskapazitäten eines Unternehmens.