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KI wird Arbeitsplätze ersetzen
Ja, das stimmt. Aber die Aussage sollte differenziert betrachtet werden, denn eine KI kann wahrscheinlich monotone, gleichbleibende Aufgaben übernehmen, aber Kreativität und Erfindung funktionieren damit nicht, und Verantwortung übernimmt sie auch nicht.
Es hört sich fast wie ein Witz an, aber der erste Mensch, der seinen Job aufgrund neuer KI-Modelle wie ChatGPT verlor, war Zeitungsberichten zufolge ein US-amerikanischer Anwalt. Er tat genau das, wovor sich viele fürchten: Für seinen Vorgesetzten sollte er Recherchearbeit für einen Fall erledigen. Er nutzte dafür die KI und war mit seiner Aufgabe in einem Bruchteil der üblichen Zeit fertig. Das, was er tat, hätte allerdings genauso gut eine ungelernte Hilfskraft oder sein Chef selbst erledigen können. Seinen Job verlor er allerdings, weil das Ergebnis zwar gut formuliert aber inhaltlich komplett falsch war.
Die Anekdote beschreibt eine der Grundproblematiken bei der Nutzung von KI. Es hört sich verführerisch an, Aufgaben durch sie erledigen zu lassen, um damit Kosten zu sparen. Da allerdings in den meisten Anwendungsfällen die Qualität des Ergebnisses sichergestellt werden muss, ist die gewonnene Zeitersparnis oft nicht groß. Denn was die KI ausspuckt, muss nach wie vor überprüft werden. Dafür braucht man Fachkräfte, die in der Lage sind, das Ergebnis zu beurteilen. Überall dort, wo es zudem um Kreativität geht und Dinge neu erfunden werden sollen, kann sie bestenfalls unterstützen. Moderne LLMs können von sich aus nichts erfinden, sondern müssen immer angeleitet werden.
Wo funktioniert KI am besten?
Dass die Technik ihre Vorteile hat, ist nicht zu leugnen. Sie kann da am effektivsten eingesetzt werden, wo die Qualität des Outputs nicht wichtig ist oder wo immer wiederkehrende Aufgaben in kürzerer Zeit erledigt werden sollen. Damit sind wir wieder bei den Fließbandarbeitern der Robotik. Aufgaben, die in der IT immer wieder gleich aussehen, kann die KI übernehmen. Das Durchlesen und Zusammenfassen langer Texte beispielsweise, das Formulieren von Antworten auf immer gleiche Fragestellungen, oder das Analysieren großer Logfiles, um bedrohliche Zusammenhänge zu finden, aber auch das Erstellen von Werbebroschüren oder gar bestimmter Artikel für verschiedene Medien. Wer das einmal gemacht hat, weiß, wie schön und professionell die KI einen vorgegebenen Text verpackt. Nur, wer sich mehrere Broschüren verschiedener Anbieter durchliest, stellt auch fest, dass sie alle gleich klingen… moderne Fließbandarbeit eben.
Und die Jobs?
Überall sind Unternehmen nun aufgefordert, das richtige Maß zu finden. Was kann die KI übernehmen, und wo kann sie den Menschen unterstützen? Die Technik, richtig eingesetzt, wird die Leistung der Belegschaft erhöhen. Ob das freie Potenzial dazu genutzt wird, Personal abzubauen oder die Produktivität des Unternehmens zu steigern, hängt von der jeweiligen Wirtschaftslage ab.
Gesellschaftlich gesehen haben wir viel Erfahrung damit, was passiert, wenn durch Automatisierung viele Arbeitsplätze auf einmal wegfallen („industrielle Revolution“). Durch die KI-Revolution befürchten eher höher bezahlte Arbeitnehmende, gerade solche, die mit Sprache zu tun haben, betroffen zu sein (z.B. Programmierer, Texter, Journalisten, Anwälte). Die Aufgaben dieser Berufsgruppen bestehen in der Regel aber nicht nur aus automatisierbaren Handgriffen wie beispielsweise dem Anpassen eines Textes für soziale Medien. Tatsächlich liegt ihr Mehrwert in der kreativen Transferleistung, Ideen zu entwickeln und für Menschen neue und damit spannende Inhalte zu liefern. Das wird die KI auf absehbare Zeit nicht übernehmen können. Und sie kann auch etwas anderes Entscheidendes nicht übernehmen: die Verantwortung.
Was für den Einzelnen wenig Auswirkung haben dürfte, könnte aus gesamtgesellschaftlicher Sicht allerdings durchaus zum Problem werden. Die automatisierbaren Aufgaben sind oft klassische Einsteiger- bzw. Junioren-Jobs. Sie dienen nicht nur der Ergebnispolitur, sondern sollen Berufsanfänger an fortschrittliche Aufgaben heranführen. Welche Auswirkung die sicherlich erfolgende Nutzung der KI auf die Ausbildung künftiger Journalisten, Anwälte und Co haben wird, ist dabei noch völlig unklar.
Fazit
Ähnlich wie Roboter die Fließbandarbeiter „ersetzt“ haben, wird KI die „Fließbandarbeiten“ in der IT ersetzen. Wie Unternehmen mit dem dadurch freigesetzten Potenzial umgehen, ist schwer vorhersehbar. Für Arbeitnehmer gibt es dennoch keinen Grund vor der Nutzung der KI zurückzuschrecken. Nur wenige Menschen wollen am Fließband arbeiten. Wenn Sie die KI dazu nutzen, kann sie Ihnen lästige Arbeit abnehmen. Als Arbeitnehmer steigern Sie damit Ihre individuelle Produktivität. Aber auch hier ist zu berücksichtigen: Wenn die Qualität des Ergebnisses wichtig ist, gilt es sie zu prüfen. Denn die Verantwortung bleibt bei Ihnen.