Künstliche Intelligenz (KI)
Wenn KI schneller wächst als die Sicherheitsstrategie
KI ist vom Innovationsprojekt zur unternehmerischen Realität geworden. Neue Anwendungsfälle entstehen nahezu täglich, Mitarbeitende experimentieren mit generativen KI-Tools und Unternehmen integrieren KI zunehmend in ihre Geschäftsprozesse.
KI ist vom Innovationsprojekt zur unternehmerischen Realität geworden. Neue Anwendungsfälle entstehen nahezu täglich, Mitarbeitende experimentieren mit generativen KI-Tools und Unternehmen integrieren KI zunehmend in ihre Geschäftsprozesse. Die entscheidende Frage lautet längst nicht mehr, ob KI eingesetzt wird, sondern wie schnell sie produktiv Mehrwert schaffen kann.
Doch während die Einführung von KI rasant voranschreitet, geraten Governance und Sicherheitsmaßnahmen vielerorts unter Druck. Eine aktuelle TrendAI-Studie unter 3.700 Business- und IT-Entscheidern weltweit zeigt: 70 Prozent der deutschen Unternehmen haben KI-Projekte trotz bestehender Sicherheitsbedenken freigegeben. Fast jeder sechste Befragte bezeichnete diese Bedenken sogar als „extrem“. Dennoch wurden die Projekte vorangetrieben, um Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsgeschwindigkeit nicht zu gefährden.
Bemerkenswert ist dabei nicht, dass Unternehmen Risiken eingehen, sondern dass die Risiken längst bekannt sind. Die eigentliche Herausforderung besteht häufig darin, dass Transparenz, Governance-Strukturen und geeignete Kontrollmechanismen fehlen, um diese Risiken wirksam zu steuern. Genau hier entsteht aktuell eines der spannendsten Beratungsfelder für Service Provider und Channel-Partner.
Wenn Innovation schneller ist als Governance
Die Ergebnisse unserer Studie zeigen deutlich, wie groß die Dynamik aktuell ist. Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen gibt an, dass sich KI schneller entwickelt, als sie sie absichern können. Gleichzeitig verfügen nur 41 Prozent bereits über umfassende KI-Richtlinien. Die Mehrheit befindet sich noch in der Ausarbeitung oder hat gerade erst damit begonnen. Hinzu kommt eine weitere Herausforderung: Fast die Hälfte der Befragten äußert nur geringes bis mittleres Vertrauen in die eigenen Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen rund um den Einsatz von KI.
In der Praxis bedeutet das häufig, dass KI bereits produktiv genutzt wird, während Richtlinien, Prozesse und Kontrollmechanismen noch entstehen. Für Service Partner ist genau das ein wichtiger Ansatzpunkt. Denn Kunden benötigen nicht nur Unterstützung bei der Einführung von KI, sondern zunehmend auch bei ihrer sicheren und kontrollierten Nutzung.
KI-Risiken beginnen bei fehlender Transparenz
In vielen Diskussionen über KI stehen Modelle, Prompts oder Produktivitätsgewinne im Mittelpunkt. Aus Security-Sicht beginnt die Herausforderung jedoch deutlich früher. Viele Unternehmen wissen heute nicht genau, welche KI-Anwendungen tatsächlich genutzt werden. Mitarbeitende verwenden öffentliche KI-Dienste, Fachabteilungen testen neue Werkzeuge und erste Automatisierungen entstehen häufig außerhalb etablierter IT-Prozesse. Dadurch entsteht eine neue Form von Schatten-IT, oder genauer gesagt: Schatten-KI.
Die Folge ist fehlende Visibilität. Unternehmen können Risiken nur schwer bewerten, weil sie häufig gar nicht wissen, welche Daten verarbeitet werden, welche Anwendungen auf Unternehmensinformationen zugreifen oder wo sensible Informationen möglicherweise das Unternehmen verlassen. Dabei gilt für KI dasselbe wie für jede andere Technologie: Man kann nur schützen, was man sehen kann.
KI erfordert Führung, Governance und Kontrolle
Je stärker KI in Geschäftsprozesse integriert wird, desto wichtiger werden Fragen nach Verantwortung und Kontrolle. Wer darf welche KI-Dienste nutzen? Welche Daten dürfen verarbeitet werden? Wie lassen sich Entscheidungen nachvollziehen? Und wie wird sichergestellt, dass regulatorische Anforderungen eingehalten werden? Diese Fragen betreffen längst nicht mehr nur die IT-Abteilung, sondern Management, Compliance, Datenschutz und Risikomanagement gleichermaßen. Genau deshalb entwickelt sich KI-Sicherheit zunehmend zu einem Governance-Thema.
Die Herausforderung besteht dabei nicht darin, Innovation zu bremsen, sondern sie kontrollierbar zu machen. Unternehmen benötigen Leitplanken, die es ermöglichen, neue Technologien produktiv einzusetzen, ohne dabei Transparenz und Kontrolle zu verlieren.
Agentic AI verschärft die Governance-Frage
Besonders spannend wird die Entwicklung mit Blick auf agentische KI-Systeme. Während generative KI vor allem Inhalte erstellt oder Informationen bereitstellt, können agentische Systeme eigenständig Aufgaben ausführen, Entscheidungen vorbereiten oder auf andere Anwendungen zugreifen. Damit entstehen neue Chancen aber auch neue Risiken.
Laut unserer Studie sehen 36 Prozent der deutschen Entscheider den Zugriff von KI-Systemen auf sensible Daten als größte Herausforderung. Noch mehr Befragte sorgen sich um manipulierte Prompts oder missbräuchliche Eingaben, die Sicherheitsmechanismen umgehen könnten und 31 Prozent an, dass ihnen die notwendige Transparenz oder Auditierbarkeit dieser Systeme fehlt. Viele Unternehmen erkennen also bereits, wo die Herausforderungen liegen.
Warum Kunden jetzt Orientierung suchen
An dieser Stelle verändert sich die Rolle vieler Service Provider. Kunden fragen heute nicht nach einem einzelnen KI-Sicherheitsprodukt. Sie möchten verstehen, welche Risiken entstehen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und wie sich Innovation und Sicherheit miteinander verbinden lassen. Gefragt sind deshalb Partner, die Transparenz schaffen, Risiken sichtbar machen und Governance-Prozesse unterstützen – und dabei unterschiedliche Datenquellen zusammenführen und daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten können.
Moderne Plattformen wie TrendAI Vision One können dabei helfen, weil sie Risiken über verschiedene Ebenen hinweg sichtbar machen – von Identitäten über Endpunkte bis hin zu Cloud- und KI-Umgebungen. Entscheidend ist dabei jedoch nicht die Technologie allein, sondern die Möglichkeit, daraus Orientierung für Kunden abzuleiten.
Die eigentliche Aufgabe beginnt jetzt
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Unternehmen KI einsetzen werden, sondern wie gut sie darauf vorbereitet sind, die damit verbundenen Risiken zu verstehen und zu steuern. Unsere Studie zeigt deutlich, dass zwischen Innovationsdruck und Sicherheitsreife derzeit noch eine Lücke besteht. Für Service Provider eröffnet sich daraus die Chance, Kunden genau dort zu unterstützen, wo sie Orientierung benötigen: bei Transparenz, Governance und Risikomanagement. Denn der Erfolg von KI wird sich am Ende nicht daran messen lassen, wie schnell Unternehmen neue Anwendungen einführen, sondern wie sicher und kontrolliert sie diese Technologien langfristig nutzen können.