Syrienkonflikt: Angriffe auf Oppositionelle mit Spionagesoftware vom Schwarzmarkt

Trend Micro vermutet Hintermänner bei staatlichen Stellen

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Hallbergmoos, 24. Februar 2012 - Warum selber machen, wenn man auf dem Schwarzmarkt für illegale Spionagesoftware fündig wird? Das mögen sich die Hintermänner hinter einer Schadsoftware gedacht haben, mit deren Hilfe zurzeit syrische Oppositionelle im großen Stil angegriffen und ausspioniert werden. Trend Micro hat die Schadsoftware analysiert, die Sicherheitsforscher von Telecomix entdeckt hatten. Dabei handelt es sich um einen in der kriminellen Untergrundwirtschaft im Internet erhältlichen Trojaner, der dem Angreifer praktisch uneingeschränkten Zugriff auf die infizierten Systeme verschafft: „DarkComet“ in den Versionen 3.3 und 5.

Die Kontrollmöglichkeiten der über Skype-Chats ausgelösten „DarkComet“-Attacken gehen so weit, dass die Opfer bei vorhandener Webcam gefilmt werden können, dass das, was sie eintippen, aufgezeichnet wird und dass sogar Telefonanrufe mitgeschnitten werden, indem das angeschlossene Mikrofon angezapft wird. Auch die auf den infizierten Rechnern befindlichen Dokumente können gestohlen werden. Die abgegriffenen Informationen werden an einen Befehls- und Kontrollserver übertragen. Dessen Internetadresse gehört der syrischen Telefongesellschaft „Syrian Telecommunications Establishments“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

„Dieser Fall zeigt, wie gefährlich illegale Spionagesoftware in Wahrheit ist, die ursprünglich nicht für politische Zwecke gebaut wurde, sondern für Betrug und Datendiebstahl. Es ist gar nicht mehr nötig, in irgendwelchen geheimen Entwicklungszentren mit hoch spezialisierten Fachleuten staatliche Überwachungssoftware zu entwickeln, um gezielte Angriffe gegen Oppositionelle auszuüben. Praktisch jeder kann hier im cyberkriminellen Untergrund fündig werden“, so Martin Rösler, Director Threat Research von Trend Micro. „Da nützt es wenig, dass der kriminelle Autor von ‚DarkComet‘ den syrischen Oppositionellen seine Hilfe beim Aufspüren und Beseitigen des Trojaners anbietet. Dafür ist es jetzt sicherlich schon zu spät.“

Weitere Informationen zu dem Angriff sind im deutschen Trend Micro-Blog erhältlich.